Raspberry Pi Überwachungskamera Tutorial: Raspberry Pi als Überwachungskamera

Raspberry Pi Überwachungskamera: TutorialEin Raspberry Pi kann sehr praktisch sein: Der kleine Linux-Computer kann nicht nur für LED-Anzeigen und kleine Spielchen verwendet werden. Mit dem richtigen Zubehör kann man aus dem Raspberry Pi eine vollwertige Überwachungskamera bauen. Im folgenden Beitrag zeigen wir dir, wie du eine Raspberry Pi Überwachungskamera basteln kannst und was du dafür brauchst.

Der Vorteil einer Raspberry Pi Überwachungskamera ist, dass sie sehr preiswert ist und du sie selber modifizieren kannst. Alle Teile für die selbstgebaute Cam bekommst du günstig aus dem Internet.

Was brauche ich für meine Raspberry Pi Überwachungskamera?

1. Raspberry Pi

Der Hauptbestandteil deiner zukünftigen Cam: Das Rechenzentrum. Das Raspberry Pi gibt es in verschiedenen Versionen und Konstellationen. Wir empfehlen das Raspberry Pi 3. Dieses ist für den Einsatz als Überwachungskamera gut geeignet und sehr leistungsstark. Außerdem sind ein USB-Port und die Kamera-Schnittstelle bereits mitgeliefert.

Wer weniger ausgeben möchte, kann sich das Raspberry Pi A+ ansehen. Dieses ist zurzeit jedoch nicht so leicht erhältlich, wie die neuen Versionen vom Raspberry Pi.

Das Raspberry Pi 1 Model A+, wie es mit vollem Namen genannt wird, wurde im November 2014 veröffentlicht. Es verbraucht im Betrieb weniger Energie und wird auch nicht so warm wie der Pi 3. Gleichzeitig ist es von der Leistung her auch schwächer, was mit der kleinen Kamera-Software aber vereinbar sein sollte.

2. Drahtlose Verbindung

Beim Raspberry Pi 3 ist Wlan bereits fester Bestandteil, beim Pi 1 Model A+ muss man die Wlan-Funktion nachrüsten (zB. über USB mit einem Wlan Stick).

3. Kamera für Raspberry Pi

Damit das Raspberry Pi die Umgebung überhaupt aufnehmen kann, ist eine Kamera notwendig. Die Kamera kann per CSI (Camera Serial Interface) oder per USB an das Raspberry Pi angeschlossen werden. CSI Kameras gibt es bei Amazon bereits ab 20€ aufwärts.

In der folgenden Liste findest du die aktuellen 2 Bestseller in der Kategorie „Raspberry Pi Kamera“.

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Raspberry Pi Kamera Modul NoIR V2 ohne IR Filter: tages- und nachtsichttaugliches Kamera Modul für alle Raspberry Pi Modelle
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Bei den CSI Kameras gibt es Geräte mit und ohne Infrarotfilter. Ein Infrarotfilter ist jedoch dringend notwendig, da die Farben sonst tagsüber komisch dargestellt werden. Nachts ist eine Kamera ohne Infrarotfilter super, man braucht jedoch eine Infrarotlampe. Diese kann man separat dazukaufen.

4. Die richtige Software

Für die Installation der Raspberry Pi Überwachungskamera brauchen wir die Software für die Kamera (Motion) und wir müssen einige Sachen im Betriebssystem (Raspbian) verändern. Die genauen Details sehen wir uns nun im nächsten Schritt an.

Installation

Raspbian

Der erste Schritt ist, Raspbian – also das Betriebssystem vom Raspberry Pi – richtig einzustellen. Die wichtigsten Punkte hierbei sind die Deaktivierung der grafischen Oberfläche und die Veränderung des Passworts. Die grafische Oberfläche wird deswegen deaktiviert, weil man sie nicht braucht und sie ziemlich an der Leistung des Raspberry Pi zerrt.

Die Deaktivierung funktioniert ganz einfach: Im Menü „Einstellungen“ wählst du „Konfiguration“ aus. Anschließend klickst du bei „Boot:“ auf „Zum CLI“ und änderst das Passwort. Anschließend versicherst du dich, dass unter dem Reiter „Schnittstellen“ SSH aktiviert ist. Damit wirst du in Zukunft auf das Gerät zugreifen.

Nachdem du die IP-Adresse herausgefunden hast (zB. mit dem Befehl „ifconfig“ in der Kommandozeile oder über das Menü des Routers), kannst du dich jetzt zB. von einem Windows-PC, Linux-PC oder Mac mit dem Raspberry Pi verbinden. Bei Macs und bei Linux Computern ist „Terminal“ bereits installiert. Bei Windows muss man sich zusätzliche SSH-Software herunterladen. Bekannte SSH-Programme sind KiTTY oder PuTTY.

Kamera

Raspberry Pi Überwachungskamera

Multicherry, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38558176

Das Raspberry Pi hat einen länglichen Kameraanschluss. Das Modul wird verbunden, in dem du das Kabel in den Schlitz steckst.

Im Bild siehst du, wo sich der Stecker befindet (hier am Beispiel eines Raspberry Pi 2).

In diesem YouTube Video wird auch ganz genau erklärt, wie die Kamera am Raspberry Pi befestigt wird. 

Raspberry Pi Überwachungskamera Software

Damit das Raspberry Pi nun auch etwas mit dem Kameramodul anfangen kann, muss Motion installiert werden. Bei Motion handelt es sich um ein Kameraprogramm, welches Bewegung erkennen kann. Es eignet sich also perfekt für Überwachungskamera-Systeme.

HALT! Damit Motion überhaupt mit der Kamera kommunizieren kann, muss vor der Installation der V4L-Treiber geladen werden. Dazu öffnest du die Kommandozeile und trägst

sudo modprobe bcm2835-v4l2

ein. Bei Problemen musst du noch einmal

sudo modprobe bcm2835-v4l2_common

eingeben und dann nocheinmal das obere Kommando.

Es ist auch wichtig, dass der Treiber bei jedem neuen Start aktiviert wird. Dazu musst du zur Datei /etc/modules navigieren. In diese Datei werden alle Module eingetragen, die beim Booting gestartet werden sollen. Also tragen wir hier nocheinmal das ein (als neuer Listenpunkt ans Ende der Datei):

bcm2835-v4l2

Jetzt können wir mit der Installation von Motion beginnen.

Es ist wirklich kinderleicht, Motion zu installieren. Der Befehl für die Installation lautet:

sudo apt install motion

Mit

sudo motion

wird Motion gestartet.

Übrigens: Bereits jetzt ist es möglich, von einem anderen Gerät auf den Livestream der Kamera zuzugreifen. VLC eignet sich hierfür am besten. Dazu musst du einfach die IP-Adresse des Raspberry Pi und den Port von Motion eingeben. Beispiel: http://IP-ADRESSE:PORT

Motion bietet viele verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten. Man kann ganz genau einstellen, wie der Kontrast, die Belichtung etc. aussehen soll, man kann aber auch die Bewegungserkennung und mehr konfigurieren.

Genaue Anleitungen für die Einstellungen findest du zB. im großen Artikel bei PCWelt.de oder bei Willy’s Technik-Blog.

Alternative zur Raspberry Pi Überwachungskamera: Smartphone als Überwachungskamera!

Wer eine noch günstigere Selfmade-Überwachungskamera haben möchte, der kann sein altes Smartphone verwenden. Mittlerweile gibt es im App Store reihenweise Programme, die das alte Smartphone in eine voll funktionsfähige Überwachungskamera verwandeln. Bei vielen Apps kann man sogar über den Internetbrowser per Webinterface auf das Handy zugreifen und den Livestream oder aufgenommene Bilder und Videos ansehen.

Die wohl bekannteste App für das Smartphone ist Camio. Camio gibt es in einer kostenlosen Variante, für mehr Funktionen kann man aber auch ein Abonnement abschließen. Die mit Abstand coolste Funktion von Camio ist die Erkennung von Dingen & Menschen. Camio kann mitteilen, was für eine Art von Bewegung erkannt wurde (beispielsweise „rotes Auto von links“ oder „Mensch mit blauer Jacke“).

Der Vorteil einer Smartphone Überwachungskamera sind die nicht vorhandenen Kosten. Wenn man ein funktionierendes Handy hat, braucht man keine neuen Investitionen zu tätigen.

Der Nachteil ist, dass die meisten Handys nicht mit witterungsbedingten Einflüssen, wie zB. Regen oder Minusgraden, zurechtkommen. 

Noch mehr Infos zum Thema Smartphone als Überwachungskamera bekommst du in einem separaten Beitrag. Dort stellen wir neben Camio auch andere Apps vor.